Energiewirtschaft: gestern – heute – morgen

Die Energiewirtschaft ist im vergangenen Jahrhundert entstanden. Abgeschlossen ist heute der Netzaufbau der Anfangszeit. Der Investitionsschutz angestammter Monopole hat seine Berechtigung verloren. Nun wird schrittweise der Wettbewerb im Energiemarkt eingeführt und zwingt gerade kleine Regionalanbieter zu Veränderungen. Ob Fusion oder Kooperation, jeder Anbieter wird sich seinen Weg suchen müssen. Die Pfalzenergie bietet eine gemeinsame Perspektive.

Foto Turm der Trifelsburg/Annweiler

Erst vor zehn Jahren hat die Liberalisierung der Energiewirtschaft in Deutschland ernsthaft begonnen. Mit der damaligen Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes wurde die Versorgung eines Stromkunden durch „fremde Anbieter“ möglich. Der bisher zuständige Energieversorger musste sein Netz für Strom, Gas, Wasser oder Wärme dafür zur Verfügung stellen. Wie kam es dazu?

Wohlstand durch Energie

Das Zeitalter der Elektrizität wurde vor etwa 100 Jahren eingeläutet. Zunächst gab es nur wenige kleine Kraftwerke für Wasserkraft oder kleine Dampfstationen. Nur besonders technikinteressierte und gleichzeitig reiche Menschen kamen in den Genuss der sauberen, verhältnismäßig sicheren Beleuchtung. In kleinen Schritten weitete sich die Versorgung aus. Nach dem 1. Weltkrieg wurde klar, dass wirtschaftliche Entwicklung und künftiger Wohlstand von einer flächendeckenden, modernen Stromversorgung abhängen.

Investitionssicherung durch Monopole

Um zu verhindern, dass nur die wirtschaftlich lukrativen Ballungsräume elektrisch versorgt wurden und um das unglaublich hohe Investitionsvolumen für den Aufbau von Kraftwerken und Stromnetzen zusammen zu bekommen, wurde den Energieversorgern ein Monopolgebiet zugesagt. Dort konnten sie sicher sein, dass sich ihre Investitionen lohnen und sie den erzeugten Strom verkaufen würden. Im Gegenzug mussten sie eine „flächendeckende Versorgung“ garantieren und auch noch den letzten Bauernhof an das allgemeine Netz anschließen.

Erschließung beendet

Zurückgeworfen durch den 2. Weltkrieg zog sich die Aufbauarbeit bis in die 50er Jahre hin. Erst in den 60er Jahren konnte man von einem quasi lückenlosen Stromnetz sprechen. In ganz Europa spielte sich die Entwicklung ähnlich ab. Mit den ersten Wirtschaftskrisen Anfang der 70er wurde nun die Frage laut: Weshalb stehen eigentlich alle Branchen im Wettbewerb nur die Energieversorgung nicht?

Foto Weinranken

Der Energiemarkt entsteht

Die skandinavischen Länder und England begannen, Wettbewerbsmodelle für die Energiewirtschaft zu entwickeln und schrittweise einzuführen. Sie erkannten schnell, dass der Netzbau und -betrieb ein „natürliches“ Monopol bleiben würde, weil es sich niemals lohnt, mehrere Leitungen im gleichen Gebiet zu verlegen. Der Energiehandel und die Stromerzeugung bzw. Gasbereitstellung konnte aber durchaus dem Wettbewerb überlassen werden – wie in allen anderen Branchen.

Energiemarkt im Wandel

Die Erfahrungen wurden durch die EU in verschiedenen Richtlinien umgesetzt und so war es 1998 auch in Deutschland soweit. Seitdem wurden die Regeln immer weiter detailliert, verschärft und ausgefeilt. Naturgemäß empfinden die Energieversorger die Entwicklung als viel zu schnell: Sie müssen ihr ganzes Geschäftsmodell anpassen, ihre Mitarbeiter vor völlig neue Herausforderungen stellen und sich plötzlich mit einer Vielzahl lästiger Wettbewerber herumschlagen, statt sich wie bisher in bewährter Form um die technische Zuverlässigkeit und Versorgungsqualität zu kümmern. Aus Sicht der Befürworter freier Marktwirtschaft geht alles viel zu langsam. Für beide Seiten gilt: Die gesetzlichen Regelungen und Forderungen der Regulierungsbehörde sind einzuhalten und zu erfüllen. Die Einstellung auf die neuen Marktbedingungen erfordert grundsätzliche Änderungen in allen Unternehmen der deutschen Energiewirtschaft.

Darstellung einer Sonne

Zukunftsfähige Strukturen schaffen

Es ist klar, dass die große Aufbauarbeit in der Energieversorgung abgeschlossen ist. Der besondere Schutz der Aufbaujahre wird so nicht mehr benötigt. Dennoch bleibt die Energieversorgung ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Klimaschutz und Regenerative Erzeugung fordern auch von Netzbetreibern und Energiehändlern hohen Einsatz. Deshalb müssen alle, die in der Energiewirtschaft und für die Energiewirtschaft arbeiten, zukunftsfähige Strukturen gestalten und soweit wie möglich nach vorne blicken. Das pfälzische Kooperationsmodell „Pfalzenergie“ ist ein Beitrag dazu. Es wird bundesweit stark beachtet, weil es dem derzeit gängigen Fusions- und Verkaufstrend ein spannendes Alternativmodell entgegensetzt: die Sicherung der kommunalen Energiewirtschaft durch eine große, moderne und leistungsfähige Kooperationsgesellschaft. So werden Größeneffekte genutzt, wo sie wirklich erforderlich sind und Eigenständigkeit erhalten, wo es möglich ist.